Die Peterskirche

1275 wird die Peterskirche im "liber decimationis" genannt, der die Pfarreien der Diözese Konstanz aufzählt, die zu einer Kreuzzugssteuer auf der Grundlage des Zehnten ihres Einkommens veranlagt wurden.

 

1359 gliedert Bischof Heinrich von Konstanz die Weilermer Pfarrei und Kirche dem Stift Backnang ein, das von Markgraf Hermann II. von Baden gegründet wurde.

 

Über dem Haupteingang auf der Westseite ist die Jahreszahl 1076 eingemeiselt – allerdings in spätgotischen Zahlen. Die Null ist etwas kleiner und nach oben gesetzt wie der obere Bogen einer 8 und bedeutet somit eine 4. Was wie eine 7 aussieht ist als 5 zu lesen. Die Jahreszahl bedeutet also 1456. Der Baukörper der Peterskirche ist vom spätgotischen Baustil geprägt.

 

Der untere, älteste Teil des Kirchturms stammt aus dem 11. Jahrhundert. Bei Bauarbeiten im Bereich des heutigen Chors ist man auf Mauerreste gestoßen, die auf eine Kapelle in hochromanischer Zeit schließen lassen.

Der Chor und das Kirchenschiff wurden in spätgotischer Zeit (1456) erbaut. In späteren Jahren wurde das Kirchenschiff nach Süden verbreitert. Aus diesem Grunde weicht die Mittelachse des Schiffs von der Mitte des Chorbogens ab.

 

Hinter der Orgel im Chor führt eine Türe in die Sakristei. Über dieser Tür ist die Zahl 1620 zu erkennen. In diesem Jahr (Spätrenaissance) wurde die Sakristei an die Kirche angebaut.

 

In der Sakristei hängt eine Tafel, auf der 33 die Namen der Pfarrer in Weiler zum Stein von 1535 bis 1989 verzeichnet sind.

 

 

Tafel mit den Pfarrern der Gemeinde

Herzog Eberhard III. von Württemberg kaufte nach dem 30jährigen Krieg für seine Schwestern Johanna und Antonia den Gollenhof und den Steinächleshof. Prinzessin Antonia bekam für ihren Lebensunterhalt die Einnahmen des Steinächleshofes.

1652 machte Antonia der Kirche Weiler zum Stein eine sehr großzügige Stiftung: Ein Tauf- und Abendmahlsgeschirr, eine bestickte Altardecke, einen Notenpult, eine Sakristeikredenz, Bücher, einen Beichtstuhl und eine Weihrauchpfanne…

Außer dem Beichtstuhl und der Weihrauchpfanne ist davon noch vieles heute erhalten. Besonders schön der Notenständer und die innen und außen bemalte Sakristeikreidenz.

1732 war die Kirche so baufällig, dass beim Abdecken des Daches eine Mauer nachgab und in einer Art Kettenreaktion weitere Wände des Kirchenschiffes einstürzten.

Damals gehörten 50-60 Personen zur Kirchengemeinde. Man kann sich vorstellen, dass es für diese ein großes Problem war, den Wiederaufbau der Peterskirche zu finanzieren.

 

Auf der Südseite befinden sich spätgotische Spitzbogenfenster mit Maßwerk.

Die quadratischen Fenster auf der Westseite links und rechts neben dem Hauptportal, wurden 1756 in das Mauerwerk gebrochen, um mehr Licht unter die Hauptempore dringen zu lassen.

 

Ein ehemals vorhandener gotischer Schnitz- und Flügelaltar wurde nach der Einführung der Reformation entfernt. Der jetzige Altar wurde 1956 gefertigt.

Der Christus am Kreuz ist aus dem Jahre 1520. Eine Besonderheit sind seine beweglichen Arme, die darauf schließen lassen, dass die Christusfigur in vorreformatorischer Zeit am Karfreitag vom Kreuz abgenommen wurde und in eine Grabnische in der Kirche gelegt wurde.

Aus der Zeit vor der Reformation ist im Chor auf der linken Seite hinter der Orgel das Sakramentshäuschen (Tabernakel) erhalten. Darin wurde das geweihte Brot und der geweihte Wein (Leib und Blut Christi) aus der Messfeier aufbewahrt.

 

Der Taufstein ist aus dem Jahr 1793, die Kanzel aus dem Jahr 1858.

 

An der Nordwand des Chores sind neben der Orgel zwei alte Grabplatten befestigt. Die gusseiserne Grabplatte ist vom Grab des Pfarrers Johannes Steudlen (*20.1.1690, +13.10.1743). Die Inschrift teilt mit, Pfarrer Steudlen habe in der Gemeinde nicht nur Erbauung gestiftet in seinen Predigten, sondern auch das "Orgelwerck" und die Kirche mit Malereien (ehemalige Emporenbrüstungen) "gezieret".

Sanduhr und Totenkopf erinnern an die Vergänglichkeit menschlichen Lebens. Das Wappen der Familie Steudlen ist auf der Grabplatte abgebildet.

 

Die zweite Grabplatte ist größer und aus Stein. Zu entziffern ist: "Anno 1602, den 17.10 starb der Erber Hans Goll auf dem Imsenweiler Hof" (heute: Gollenhof). Im oberen Halbrund dieses Grabmals steht ein bedenkenswerter Satz: "Gedenke, Mensch, an das Ende und lass die Feindschaft fahren, die Tod und Verderben sucht. – Und bleibt in den Geboten Gottes." – Das Wappen zeigt die Spitze einer Schäfer-Wurfschaufel über einer gespreizten Schere. Zwischen den nach oben geöffneten Scherenklingen sitzt ein Vogel (Falke?) auf einem Zweig.

Grabplatte Pfarrer Steudlen und Hans Goll

1956 wurde der Innenraum der Peterskirche umgestaltet. Neue Böden im Schiff und im Chor wurden gelegt. Die heutige Empore und die Kirchenbänke wurden eingebaut.

 

Die erste Orgel kam 1739 in die Kirche. - In den Zeiten davor war der örtliche Lehrer an der Schule der Kantor, der die Lieder vorgesungen und die Gemeinde beim Singen angeleitet hat.

Die von Pfarrer Steudlen gestiftete Orgel versah ihre Dienste bis 1877.

Danach wurde eine Orgel von der Firma Laukhuff eingebaut, die bis 1970 den Gemeindegesang begleitete. 1971 wurde die derzeitige Orgel von der Firma Oesterle gebaut.

Anfang 2004 wurde sie von Firma Kreisz aus Schwäbisch Gmünd generalüberholt.

Dabei wurde auch der Spieltisch und das Orgelgehäuse farblich neu gestaltet.

Einige Informationen zu den Glocken:

1640 wird eine über 500 Jahre alte Glocke der Peterskirche an die Kirche in Burgstall verliehen, wo im 30jährigen Krieg alle Glocken geraubt worden waren. Über den Verbleib dieser Glocke ist nichts mehr bekannt.

1693 holen die Franzosen (spanischer Erbfolgekrieg) zwei Glocken vom Turm.

1693 werden neue Glocken gegossen, die 1917 (I. Weltkrieg) an die Rüstungsindustrie abgeliefert werden.

In der Glockenstube des Kirchturms hängen heute folgende Glocken:

eine 1797 in Ludwigsburg gegossene Glocke mit 80,5 cm Durchmesser, 310 kg Gewicht mit dem Ton b.

Zwei 1920 von der Firma Bachert (Kochendorf) gegossene Glocken mussten 1942 (II. Weltkrieg) abgeliefert werden. Diese wurden ersetzt durch die heute vorhandenen zwei Glocken, die 1950 gegossen wurden.

Die Glocke mit dem Ton c hat einen Durchmesser von 76,8 cm und ein Gewicht von 279 Pfund. Die andere Glocke mit dem Klang g hat einen Durchmesser von 102,8 cm und ein Gewicht von 659 Pfund.

Der Turmhahn erinnert an Petrus, der Jesus nach seiner Verhaftung verleugnete ("ehe der Hahn krähte"). Christen aller Zeiten stehen vor der Herausforderung, in schwierigen Situationen zu ihrem Glauben zu stehen.

Außerdem zeigt der Turmhahn an, woher der Wind weht.

Der Weilermer Turmhahn wurde 1927 gefertigt. 1965 wurde er neu vergoldet. Im Sommer 2003 wurde er von einem durchhängenden Seil eines Baukrahnes von der Baustelle nebenan in der Hohen Straße beschädigt und benötigte eine Restaurierung.

Der Turm unserer Kirche bietet übrigens einen Schutzraum für Turmfalken in der Zeit, in der sie ihre Eier ausbrüten und die Jungvögel großziehen, bis diese flügge sind.

4-5 junge Turmfalken haben in unserem Kirchturm ihre "Kinderstube". Ein guter Beitrag zum Naturschutz. Der Turmfalke wurde im Oktober 2006 zum besonders schützenswerten Vogel des Jahres erklärt.